Zu der Kirchengemeinde Billertshausen gehören vier Orte aus drei unterschiedlichen Kommunen. Aus der Kommune Alsfeld gehöre die Orte Angenrod und Billertshausen zu unserer Kirchengemeinde. Heimertshausen aus der Kommune Kirtorf gehört auch dazu. Ebenso die größtenteils katholischen Orte Seibelsdorf und Ohmes der Kommune Antrifttal.
Die Kirchengemeinde Zell besteht aus einem Ort und gehört zur Kommune Romrod.
Im Folgenden finden Sie Informationen zu unseren 3 Kirchen:
Tamara Kaulich
Christina Wedekind
Karin Born
Martin Reibeling
Auf einem kleinen Basalthügel (313 m ü. NN) zwischen den Stadtteilen Angenrod und Billertshausen liegt deren gemeinsame Kirche „Getürms“. Der Name dieses Hügels, der 1339 mit Geduren, 1499 mit Gedorne, 1572 mit Gedörne überliefert und mit dem mittelhochdeutschen Wort „dorn“ = Dornbusch zu erklären ist, wurde durch den jungen Geistlichen Johann Sigismund Antonius Möller in Gethürms umgedeutet. Zum Kirchspiel dieser Bergkirche gehören auch die Dörfer Heimertshausen und Zell. Trotz aller akministrativer und kirchlicher Reformen hat sich dieses Kirchspiel aus dem Mittelalter bis heute so erhalten und kann somit auf eine reiche und lange Geschichte zurückblicken.
Altarraum
Die Gründung einer Kirche auf dem Getürms ist alter Besitz des Klosters Fulda und vermutlich auf die Missionierung durch Bonifatius zurückzuführen und dürfte ein wichtiger Mittelpunkt der Missionierungsarbeit auf der Strecke zwischen Amöneburg und Fulda gewesen sein. Bereits 1527 wurde das Kirchspiel Getürms lutherisch.
Der wohl aus dem frühen Mittelalter stammende, aber in Bauart, Stil, Material und Größe unbekannte Vorgängerbau des heutigen Gotteshauses wurde 1702 abgebrochen. Nur der etwa 20 m hohe alte Westturm mit vermauerten Schalöffnungen aus dem 13. und 14. Jahrhundert blieb stehen. Beim 1703 vollendeten Neubau an dem mittelalterlichen Turm wurden ältere Bauteile verwendet. Wahrscheinlich hat man das Kirchenschiff unter Verwendung alter Mauerreste neu angebaut. Aus spätgotischer Zeit stammt die Sakramentsnische. Das Schiff, ein Saalbau mit dreiseitigem Schluss im Chor, ist durchgehend von einer verputzten Holztonne überwölbt. Die zweigeschossigen und zweiseitigen Emporen sind mit Brüstungsmalereien versehen. Die Grundausstattung der Kirche ist barock. Ende der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts wurden im Innern der Kirche grundlegende Veränderungen vorgenommen, denen die „Adels-Empore“ wie auch die prächtige Orgel im Altarraum sowie die Ehrentafel für die Kriegsgefallenen an der Südwand der Kirche zum Opfer fielen.
Orgel und Täfelung
Bis zum Bau eines eigenen Schulgebäudes im Jahre 1880 diente das Getürms bereits mit Beginn des 17. Jahrhunderts zugleich auch als Schule für Angenrod und Billertshausen. Die Getürmser Lehrer waren verpflichtet den Glöcknerdienst zu versehen und bei den Gottesdiensten und den gottesdienstähnlichen Handlungen als Vorsinger oder Kantoren das herkömmliche Singen zu führen sowie nach Aufstellen einer Orgel auch den Organistendienst zu versehen.
Elke und Reimund Prang
In zentraler Ortslage, auf dem so genannten Kirchberg steht die Kirche in Heimertshausen. Ursprünglich wurde die Kirche vom Friedhof, dem heutigen Schulhof, umschlossen. Heimertshausen gehört zum Kirchspiel Billertshausen. Die Kirche ist ein schlichter Steinbau, der aber durch sein ausgewogenes Verhältnis von Glockenturm und Kirchenbau sehr harmonisch wirkt. Heimertshausen hatte zur Zeit der Einführung der Reformation 1529 eine Kapelle. Die Kapelle diente noch 170 Jahre als evangelisches Gotteshaus. Im Jahre 1699 wurde die Kapelle teilweise abgebrochen und von 1699 bis 1700 auf diesen Grundmauern eine neue Kirche erbaut.
Altarraum
Das Kirchenschiff wird im Innenraum von einer bemalten Holztonne überwölbt: Im Osten befindet sich eine Strahlenglorie um den Gottesnamen Jahveh, in der Mitte der offene Sternenhimmel, seitlich musizierende Engel vor Wolken, am westlichen Segment die vier Evangelisten mit ihren Symbolen, am Ostrand das große hessische Wappen. Die dunkel - kräftig gehaltenen Gemälde sind von Andreas Stamm aus Alsfeld 1706 signiert. Die Apostelbilder an den Emporen müssen nicht aus der gleichen Zeit stammen. Der Taufstock ist aus Holz und beweglich. Die Form des Taufstockes gleicht einem Kelch mit Schuppenmotiven. Die Orgel wurde im Jahre 1839 von Orgelbaumeister Hartmann Bernhard aus Romrod erbaut. Außen ist sie schlicht gehalten. Sie hat einen sehr guten Klang. Unter den mannigfaltigen Reparaturen, die an der Kirche seit ihrer Erbauung vorgenommen wurden, verdienen zwei Wiederherstellungen besondere Erwähnung, die in die Jahre 1895 und 1927 fallen. Bei der Wiederherstellung von 1895 wurde mit einem Kostenaufwand von 6000 Mark der baufällige Zustand, in dem sich die Kirche befand, beseitigt, auch der Turm wurde „festgestellt“. Die Wiederherstellung von 1927 verdient besondere Erwähnung, weil sie der Kirche im Inneren wieder die ursprüngliche Schönheit gab. Über diese Renovation berichtet Professor Walbe in dem Jahresbericht der Denkmalpflege 1913-1928:
Empore mit Täfelung
„Die Kirche hat eine verputzte Holztonne Bei den Instandsetzungsarbeiten, die unter Leitung des hessischen Hochbauamtes im Jahr 1927 stattfanden, wurde auf Anregung älterer Einwohner nach alten Malereien gesucht - mit bestem Erfolg. Nach Abschlagen des Putzes ergaben sich auf der durch Leisten geteilten Holzschalung Malereien aus der Zeit um 1700. Wie nicht anders zu erwarten, waren auch die Emporenbrüstungen unter dem jetzigen Anstrich mit Malereien bedeckt, mit Apostelfiguren, die nun ans Tageslicht gezogen wurden. So ist ein köstlicher Innenraum entstanden, bildreich, wie kaum ein anderer. Maler D. Kienle, Eberstadt, führte die Arbeiten in glücklicher Weise durch“.
Die jüngste Renovierung wurde im April 2007 beendet.
Besondere Angebote
Josephina Wedekind
Kirche Zell
„Eine kleine Dorfkirche mit einer großen christlichen Vergangenheit"
So könnte man die Geschichte dieser im Jahre 1248 in reinromanischem Stil erbauten Kirche in Kürze beschreiben. Als Wehrkirche erbaut, bewahrt sie bis heute mit ihrem starken Bruchsteinmauerwerk ihren geschlossenen wehrhaften Charakter. Eine erste geschichtliche Erwähnung einer Kirchenweihe in Zell führt auf das Jahr 825 zurück. Die älteste im Altkreis Aisfeld vorhandene Urkunde bezieht sich auf diese Weihe durch den Erzbischof von Mainz, Haistolf, und benennt die Schenkung u. Grenzbeschreibung der Kirche in Zell.
Altarraum
Das wohl wertvollste und eindrucksvollste Stück ist der spätgotische Flügelaltar, von dem heute nur noch das Mittelteil mit der Predella (bematter Holzsockel mit Jesus und seinen 12 Jüngern) vorhanden ist. Der Untergrund des Schreins besteht aus reinem Blattgold. Inmitten strahlenden Goldes steht Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm. Ihr Haupt ist mit einem Glorienschein umgeben, während zu ihren Füßen eine Totenmaske in einem sichelförmigen Behältnis ruht. Vom Beschauer aus gesehen links von ihr der Apostel Johannes mit dem Abendmahlskelch als Symbol der friedlichen Werbung des Christentums. Die rechte Figur stellt den Apostel der Deutschen, Bonifatius, mit der Bischofsmütze dar, in der rechten Hand den Bischofsstab, in der Linken die Bibel, auf der der Knauf eines 80 cm langen Ritterschwertes ruht. Das Ganze ist mit reicher Ornamentierung versehen. Näheres über Künstler, Werkstatt und Zeitpunkt der Aufstellung liegt im Dunkel. Ein weiteres Schmuckstück der Kirche ist der Taufstein, der die Gestalt eines achtseitigen Pokals hat und um dessen oberen Rand eine Girlande in gotischen Minsukeln mit folgender Inschrift läuft: „Anno domini MCCCCLXXXVIII (1488) complitma e hoc opus in dix lucce virginis." Danach dürfte feststehen, dass die Fertigstellung am Tag der heiligen Luca des Jahres 1488 erfolgte. Die aus dem Runden konstruierte Schale des Taufsteins ist umsponnen von reicher Dreigaßverzierung, deren Spitzen in stilisierten Lilien auslauten. Der Taufstein hatte für die Zeller Bevölkerung eine große Bedeutung. Ursprünglich war Zell als alte Bonifatiusstiftung Mutterkirche und Sitz der Pfarrei des Kirchspiels. Noch vor Einführung der Reformation im hiesigen Gebiet anno 1527 wurde die Pfarrei Zell aufgehoben und dem Pfarrer zu Gedörn unterstellt.
spätgotische Flügelaltar
Den genauen Grund für das Herabsinken der Mutterkirche zur Filialkirche von Gedorn ist unbekannt. Möglich wäre eine Zerstörung der Kirche oder eine Begünstigung der Kirche von Gedorn durch die damals in Angenrod ansässige Adelsfamilie Nodung. Jedenfalls wurde von 1488-1492 in zähen Verhandlungen durchgesetzt, dass in der Zeller Kirche weiterhin die heiligen Sakramente Abendmahl und Taufe gespendet werden konnten. Das war wohl der Grund für die Anschaffung des prächtigen Taufsteins. Allerdings wurde dieser von 1845 bis 1899 zweckentfremdet und diente dem Pfarrer in Billertshausen als Blumenbehälter. Auf Drängen des Zeller Kirchenvorstandes wurde er dann 1899 an seinen ursprünglichen Platz zurückgebracht.
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Christa Römer